Metabolic Balance: Was ist dran am neuen Trend?
Immer wieder werden neue Abnehmmethoden propagiert. Derzeit ist Metabolic Balance total im Trend. Aber was steckt dahinter? ->Wir haben die Methode genauer unter die Lupe genommen!
Die Ausgabe Februar 2009 der Österreichischen Ärztezeitung hat mich dazu veranlasst, die neue Stoffwechseldiät “Metabolic Balance” genauer unter die Lupe zu nehmen. Skepsis war ja bereits beim ersten Hören dieser neuen Wunderdiät da. Aber jetzt konnte Univ.Prof.Dr. Widhalm vom AKH Wien meine Vermutungen bestätigen.
Ebenfalls aktuell im Konsument 04/2009 kam die “mb-Methode” nicht gut weg. Von den 4 Testpersonen konnte keine diese Diätform weiterempfehlen. Zu stark waren die Einschränkungen und die Mühen, die mit der Diät verbunden sind.
Ganzheitliches Stoffwechselprogramm
Metabolic Balance wird als ganzheitliches Stoffwechselprogramm angepriesen und verspricht eine individuelle Ernährung. Der Ernährungsplan wird mittels eines Computerprogrammes zusammengestellt, nachdem diverse Blutparameter untersucht wurden. Laut dem Erfinder Dr. Funfack wird anschließend eine individuelle Lebensmittelliste erstellt, an die sich der Klient mehr oder weniger lang streng zu halten hat.
Die Umstellung des Stoffwechsels
Mindestens 14 Tage dauert die strenge Umstellungsphase, in der sich angeblich der Stoffwechsel neu einstellen soll. Drei Mahlzeiten pro Tag sind vorgegeben, mindestens 5 Stunden Pause muss zwischen den Mahlzeiten liegen und auch die vorgegebenen Mengen müssen strikt eingehalten werden. In den meisten Fällen dauert diese Phase länger, bis eben das Wunschgewicht erreicht ist.
In der nachfolgenden gelockerten Umstellungsphase sind Lebensmittel wieder erlaubt, die vorher verboten waren und es soll sich einen Gewichtsstabilisierung einstellen.
Unsere Kritik
- Die untersuchten Blutwerte sind nichts “Besonderes”: es handelt sich um ein ganz normales erweitertes Blutbild, das in diesem Fall aber teuer bezahlt werden muss. Wie aus diesen Werten eine Lebensmittelliste entstehen soll ist nicht nachvollziehbar. Es wird betont, dass nur Lebensmittel empfohlen werden, die zu 100 Prozent vertragen werden. Für einen Ernährungswissenschafter ist es jedoch nicht nachvollziehbar, wie das ein Computer durch normale Blutwerte errechnen soll, wenn kein Unverträglichkeitstest gemacht wurde.
- Die angeblichen Fachkräfte sind nicht immer ausgebildete Diätologen oder Ernährungswissenschafter: Metabolic Balance GmbH bietet Ernährungsberatungsseminare für Laien an, die 3 Monate dauern. Das ist mit keiner anerkannten Ausbildung in diesem Bereich zu vergleichen. Ernährungstrainer können schon durch eine kleine Fortbildung Metabolic-Balance-Coach werden. Die Auswertung der Blutproben und die Erstellung der Lebensmittelliste erfolgt immer zentral in Deutschland.
- Das Computerprogramm nimmt keine Rücksicht auf persönliche Vorlieben oder Abneigungen: das individuelle Programm wird in Deutschland anhand der Blutwerte erstellt und diese Personen kennen die Klienten nicht persönlich. Daher kann auf persönliche Wünsche oder Lebensumstände nicht eingegangen werden.
- Die Lebensmittelauswahl ist nicht saisonal: Wenn im Dezember Kirschen und Marillen als Obstsorten empfohlen werden ist das nicht nur teuer, sondern auch ökologisch nicht von Vorteil.
- Das Programm ist nicht flexibel und dauerhaft: Essen in der Familie, Essenseinladungen bei Freunden oder Geschäftsessen sind nicht mehr möglich. Auch stellt sich die Frage, ob man nach der Umstellungsphase dauerhaft etwas über Ernährung gelernt hat, da es sich nicht um ein Ernährungskonzept für das ganze Leben handelt.
- 3 Mahlzeiten mit 5 h Pause: aus unseren Erfahrungen wissen wir, dass so lange Abstände zwischen den Mahlzeiten nicht für alle Menschen zielführend sind. So kann es zu Heißhunger, Müdigkeit oder Gereiztheit führen, wenn so lange Pausen zwischen den Mahlzeiten liegen. Die Mahlzeitenhäufigkeit sollte nach dem persönlichen Hunger-Satt-Rhythmus gewählt werden und nicht streng vorgegeben werden.
- Die strenge Umstellungsphase schränkt das Essen sehr stark ein: die in dieser Phase vorgegebenen Essensmengen sind nur mit konsequenter Selbstdisziplin zu bewältigen, sagt Univ.Prof.Dr. Widhalm. Wir kritisieren v.a. das mühevolle Wiegen der einzelnen Mahlzeitenbestandteile. Bei Gemüse sollte es unserer Meinung nach überhaupt keine Mengenbeschränkungen geben.
- Die gelockerte Umstellungsphase führt zum Jojo-Effekt: es ist sehr fraglich, ob sich nach der strengen Phase eine längerfristige Gewichtsstabilisierung einstellt, meint Univ.Prof.Dr. Widhalm. Durch die anfangs stark kalorienreduzierte Kost kommt es logischerweise zu einem Gewichtsverlust, der jedoch nur sehr schwierig gehalten werden kann.
Resümee
Die Metabolic-Balance-Diät wird nicht, wie versprochen, individuell und personenbezogen an den Patienten angepasst, sondern es werden auf Grund von nicht nachvollziehbaren Blutuntersuchungswerten Lebensmittel verboten und die Essenszufuhr sehr stark eingeschränkt. Das führt logischerweise anfangs zu einer Gewichtsreduktion, die aber langfristig nur schwer zu halten ist, da keine konsequente, dauerhafte Ernährungsumstellung vollzogen wurde.
Folgende Artikel liefern weitere Informationen zu Testergebnissen:
Österreichische Ärztezeitung
Hochrhein-Institut für Rehabilitationsforschung
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